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Rückblick zur U15 Regionalliga 2018/2019

Am 20. Juni begann mit dem Trainingsauftakt unser Projekt C-Junioren Regionalliga Südwest. In ihr spielten seit Jahren Nachwuchsleistungszentren, namhafte Vereine und in diesem Jahr eben auch wir. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genau, wo wir hingehören würden. Dafür wussten es andere besser und tippten uns zusammen mit Wirges, einer ähnlichen Mannschaft wie wir, die aber zumindest schon öfter die Klasse halten und im vergangenen Jahr mit diesem Jahrgang Rheinlandliga spielen konnte, als Abstiegskandidaten Nummer 1. Sicher sahen sich unsere Kritiker in den Ergebnissen der Vorbereitung bestärkt. Wer wollte es ihnen auch verübeln? 1:5 gegen Waldhof Mannheim, 0:10 gegen Wehen Wiesbaden und ein wenig glanzvolles 2:1 gegen Wittlich ließen sicher keinen Optimismus aufkommen.

Wir ließen uns aber nicht beirren und schufen vor allem im darauffolgenden Trainingslager in Bitburg die Basis für das, was uns die ganze Saison über stark machen sollte: unsere geschlossene Defensivarbeit. Gepaart mit unserer exzellenten Athletik im Offensivbereich und unserem guten Umschaltspiel wussten wir, dass wir nicht chancenlos sein würden. Ein 1:1, das das Chancenverhältnis betrachtet 7:1 hätte lauten müssen, gegen den am Ende des Jahres verlustpunktfreien Rheinlandmeister Eisbachtal vermittelte einen ersten Eindruck unserer Stärken.

Und dann ging es los. Mit einem Heimspiel – Gott sei Dank. Der Gegner hieß Eintracht Trier, der als jüngerer Jahrgang im vergangenen Jahr fast Rheinlandmeister wurde und traditionell im gesicherten oder Mittelfeld der Regionalliga-Tabelle landet. Und wie es losging. Wir führten bei strömendem Regen zur Pause 1:0 und hätten durchaus zwei Tore mehr schießen können. Aber wir wollten ja genügsam bleiben und in der zweiten Halbzeit wurde uns klar, dass uns ein bisschen Erfahrung auf diesem Niveau fehlte und auch ein einziger Fehler schon bestraft werden kann: 1:1. Ein Achtungserfolg, der Lust auf mehr machte. Es folgte eine Krankheitswelle, die uns im folgenden Spiel gegen Pirmasens jegliche Durchschlagskraft nahm. Jene Pleite und die eingeplante Niederlage gegen Mainz 05 setzten uns in Ludwigshafen direkt unter Druck. Doch wir waren da, wenn es drauf ankam, verpassten es aber, uns in einen Rausch zu spielen.

Die Liga blieb zu jedem Zeitpunkt ein Zirkus kurioser Ereignisse. Fast jeder konnte fast jeden schlagen. Auf einmal war der FC Homburg, der nach der siebten Niederlage im siebten Spiel bei uns zu Hause schon für tot erklärt wurde, nach Siegen gegen Schott Mainz und Wormatia Worms wieder im Rennen. Worms stand zu Beginn der Saison auf einem Abstiegsplatz und beendete die Saison als Sechster. Trier und Schott Mainz starteten vielversprechend, doch die einen standen zur Winterpause nur einen Punkt über dem Strich und wurden am Ende doch Siebter, die anderen stiegen am Ende sogar ab. Die Abschlusstabelle betrachtend war ab Platz 6 jede Mannschaft irgendwann mal in akute Abstiegsnöte geraten. Nur vier Spieltage vor Schluss zitterte noch das halbe Tableau. Das geht nur in einer Liga, die unglaublich ausgeglichen ist.

Das zeigten auch die Ergebnisse. Gegen Schott Mainz und Wirges holten wir nur jeweils einen Punkt, gegen den Fünften Saarbrücken und den Siebten Trier insgesamt zehn. Doch es erging nicht nur uns so, sondern letztlich ja jedem. Schaut man sich die Tabelle jetzt an, denkt man, fast alles sei normal, bis auf einen ungewöhnlichen Absteiger. Aber in Wahrheit wurde kreuz und quer gepunktet, immer und immer wieder.

Wenn es für uns einen Wendepunkt in der Saison gab, war es sicherlich das Spiel in Saarbrücken. Nach einem enttäuschenden 1:3 zu Hause gegen Gonsenheim besiegten wir die Saarländer so unverdient, wie ich noch niemals zuvor gewonnen habe, und furios mit 3:0. Oder vielleicht war es doch verdient, wie auch der Trainer von Saarbrücken fair anerkannte. Denn dort rannten wir um unser Leben. Auch wenn wir mit den folgenden Niederlagen gegen Wirges, Worms und Schott Mainz quasi all den Bonus wieder verspielt hatten, blieb uns diese Erfahrung bis zum Schluss in Erinnerung. „Wir sind zusammen groß“ hallte es vor dem Spiel in der Kabine, hallte es im Rückspiel wieder und auch vor dem letzten Spiel gegen Schott Mainz. Und am Ende waren wir zusammen groß, denn wir haben das geschafft, was uns anfangs niemand zugetraut hatte.

Vielleicht wäre alles ganz anders gelaufen, hätten wir vor der Winterpause nicht noch die Siege in Trier und gegen Pirmasens eingefahren, denn dann hätten wir vier lange Monate in der Tabelle im roten Bereich gestanden. Aber wir standen im grünen Bereich, die ganze Saison über. Das verdient zusätzlichen Respekt. Übrigens auch, wenn man eigentlich die ganze Saison im roten Bereich steht, ganz zum Schluss aber im grünen – Grüße gehen raus an Wirges! Vor der Winterpause durften wir auch noch ein zweites Mal gegen die volle Kapelle von Mainz ran. Die gab es nach dem Winter nicht mehr, daher ist ein 1:6 mit Potenzial für mehr eigene Tore okay. Okay, aber eben auch die höchste Saisonniederlage.

Bis dahin hatten wir viel verteidigt und viel nach vorne umgeschaltet. Man hätte sicher etwas mehr Fußball spielen können, wenn man zu diesem Zeitpunkt weniger Punkte hätte haben wollen. Fußball spielen konnten und wollten wir im Winter. In der Halle zauberten wir uns von Turnier zu Turnier. Na gut, nicht in jedem, aber zumindest in denen, wo es drauf ankam. Witzigerweise holten wir nur dort den Titel, wo wir am ehesten Stückwerk betrieben hatten, im Einladungsturnier in Neuwied und bei den Hallenkreis(?)meisterschaften für überkreisliche(?) Mannschaften (???). Am Ende war es egal, denn es reichte für einen futsalerischen Triumphzug bei den Rheinlandmeisterschaften. In Sinzig spielten wir überragend, beendeten das Turnier ohne einen einzigen Gegentreffer und wurden trotzdem nur Zweiter. Das muss man auch erst einmal schaffen. Wir unterlagen Wittlich im Sechsmeterschießen, durften aber trotzdem zur Regionalmeisterschaft nach Mülheim-Kärlich. Dort waren wir nicht ganz so überragend, aber immerhin gut genug, um zuerst Meisenheim 4:1 zu besiegen und dann im entscheidenden Spiel um den Finaleinzug nach zehn Minuten 2:0 gegen Elversberg zu führen. Aber wer innerhalb von 60 Minuten 40 Minuten hochintensiven Futsal spielen muss, dem darf am Ende auch mal die Puste ausgehen. Mit etwas mehr verdienter Pause zwischen den beiden Spielen hätten wir es geschafft. Aber irgendetwas muss ja darunter leiden, wenn an einem Tag drei Turniere an einem Ort abgehalten werden müssen. Wir wären gerne nach Gevelsberg gefahren, aber in diesem Fall hätte es der sympathische JFV Wittlicher Tal nicht geschafft. Und wir hätten am Tag des nationalen Turniers wegen der nötigen Spielverlegung nicht unseren Punktgewinn, der dem Spielverlauf entsprechend auch endlich mal ein dreifacher hätte sein müssen, gegen den Dauerrivalen TuS Koblenz eingefahren – und wären dann abgestiegen. Schon damals dachten wir: „wer weiß, wofür das gut ist.“

Mannschaftsfoto U15

Futsal war für uns ohnehin nur eine nette Nebenbeschäftigung. Wir trainierten fußball- und niemals futsalspezifisch, denn unser Ziel war von Anfang an der Klassenerhalt in der Regionalliga und nichts anderes. Fußballerisch wurde es auch immer besser. Nur 2:3 gegen Astoria Walldorf, nur noch 0:2 gegen Wehen Wiesbaden und wieder ein Sieg gegen Trier in der Wintervorbereitung klangen doch schon einmal ganz anders als noch im Sommer. Zudem spielten wir in allen Spielen (unsere defensive Grundausrichtung respektierend) fußballerisch mit. Vielleicht waren wir zu Beginn eine Mannschaft, die nah am „kick and rush“ war. Aber wir nutzten diese Zeit, um uns fußballerisch weiterzuentwickeln und das durften wir auch in der Liga wahrnehmen. Denn plötzlich hatten wir den großen SV Elversberg, unangefochtener Tabellendritter, am Rande einer Niederlage – und verloren doch wieder selbst. Der Dauerrivale TuS Koblenz fuhr mit einem glücklichen Punkt nach Hause und selbst der 1. FC Kaiserslautern gesteht in seinem Auswärtsspiel bei uns ein „Wenn ihr hier 1:0 in Führung geht, und das war durchaus möglich….“

Manchmal fühlte es sich ein bisschen so an, als hätten wir alles Glück der Saison in Saarbrücken aufgebraucht. So oft waren wir so nah dran und doch mussten wir auf den maximalen Erfolg verzichten. So auch in Gonsenheim. Tolles Spiel, viele Chancen, komische Entscheidungen und dann keine Punkte. Zu diesem Zeitpunkt waren auch alle Mannschaften schon wieder so eng zusammengerückt, dass man es mit der Angst zu tun bekam, am Ende doch noch der eine zu sein, der schließlich dumm aus der Röhre schaut. Da kam Saarbrücken doch wieder gerade richtig. Sieg und alles wieder gut mit dem Karma. Dieses Mal hatten wir vor Saarbrücken allerdings etwas mehr Zeit, uns wieder Mut anzuschießen. Denn da war ja noch der Rheinlandpokal, in dem wir nach Morbach in dieser Phase auch Emmelshausen mit 7:2 und Neitersen, die zuvor Wirges eliminierten, mit 9:2 aus dem Weg schossen. Auch diesen hätten wir sicher gewinnen können, wenn wir nicht etwas zu leichtfertig gegen Salmrohr angetreten wären. Dieses Jahr will aber scheinbar gar kein Regionalligist die den Pokal gewinnen. Nicht nur in der C-Jugend verabschiedeten sich alle Regionalligisten vorzeitig, sondern auch in der A- und B-Jugend. Also haben wir uns nur in gängige Traditionen eingereiht. Spaß beiseite, wir hätten diesen Titel natürlich auch gerne mitgenommen oder zumindest noch im Finale um ihn gespielt, aber wer weiß, wofür es gut war. Außerdem haben wir vor der Saison und auch währenddessen nie das konkrete Ziel formuliert, Pokalsieger werden zu wollen. Vielleicht war genau das der Fehler.

Einst das Kopfballungeheuer – heute Erfolgs-Coach: Sven Stoffel

Am Ende aber haben wir das erreicht, was wir erreichen wollten. Etwas verzögert, denn schon am 24. Spieltag gegen Wirges hätte der Ball von der Latte ruhig mal verdientermaßen rein- statt rausfallen können und Wirges hätte für unseren Seelenfrieden eine Woche später auch nicht unbedingt in Elversberg gewinnen müssen. Jedoch wären uns dann zahlreiche wichtige Momente versagt geblieben. Es kommen immer wieder Situationen im Leben, in denen man unter höchstem Druck beste Leistungen abrufen muss. Wir haben diese Erfahrung im Endspiel gegen Schott Mainz, wo nur ein krummes Ding in der letzten Minute die Arbeit eines ganzen Jahres hätte in Frage stellen können, bereits gemacht. Und siehe da, wir können es. Vielleicht stehen wir irgendwann einmal in einem Pokalfinale oder müssen wieder um den Klassenerhalt bangen. In diesen Endspielen sind wir den Gegnern womöglich etwas voraus.

Ich denke nicht, dass jemand dieses Endspiel missen wollte und lieber am 25. Spieltag mit Hilfe von Elversberg schon durch gewesen wäre. Der Moment, als das Spiel dann abgepfiffen wurde, wäre uns verwehrt geblieben. Es wäre nur ein „Ups, wir haben es geschafft.“ in der Kabine in Worms geworden und kein „JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA.“ als der Schiedsrichter uns endlich erlöste. Das war einfach cool.

Wir sind Zehnter in einer der ausgeglichensten C-Junioren-Regionalligen, die es bisher gegeben hat, geworden. Es hätte natürlich auch der undankbare zwölfte Rang werden können. Aber es hätte mit etwas Glück aber genauso gut auch noch mehr werden können. Meckern wollen wir keineswegs. Wir sind stolz, das erste Team im Hunsrück zu sein, dass die Regionalliga in der C-Jugend halten konnten. Dass dafür so viele Punkte nötig waren, freut uns umso mehr. Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützt haben, ohne sie (aus Angst, jemanden zu vergessen) einzeln aufzählen zu wollen.

Diese Liga ist einfach etwas Besonderes und sowohl für Spieler als auch für Trainer sehr attraktiv. Der Austausch und die Hilfsbereitschaft untereinander sind einfach kein Vergleich zu den Verbands- und Bezirksligen. Wir sind froh, das Privileg gehabt zu haben, diese Erfahrung machen zu dürfen und dann auch noch mit erfolgreichem Ende. Es ist zwar kein Pokal und keine Schale geworden, aber für uns fühlt sich der Klassenerhalt wie der wichtigste Titel an und darauf kommt es – egal, wie es sonst bewertet wird – letztlich an. An alle, die hierfür mitgewirkt haben: Das habt ihr großartig gemacht.

von Sven Stoffel

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