Hallo Herr Becker,

Hans-Peter Beckerwir haben am 05. März einen Juniorenförderverein im Rhein-Hunsrück gegründet und möchten von der Basis her, eine vorbildliche Juniorenförderung in unserer Region entwickeln. Bevor es im Sommer mit dem Spielbetrieb los geht, möchten wir uns noch Tipps, Empfehlungen und Ratschläge einholen um mögliche Fehler von Anfang an zu vermeiden.

Hierzu wären wir dankbar, Ihnen einige Fragen stellen zu dürfen?

1. Wie sehen Sie die demografische Entwicklung im Jugendfussball?

HPB: Die Jugendfachtagung des DFB hat verdeutlicht, dass die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten sehr unterschiedlich verläuft. In ihrer Gesamtheit wird die Bevölkerung abnehmen und dies in besonderem Maße in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Dabei sind jedoch regional sehr unterschiedliche Entwicklungen vorauszusehen. Während in einigen Ballungsgebieten das Bevölkerungsniveau in etwa gehalten wird, erleben andere Regionen einen signifikanten Rückgang von bis zu 60 %. Dabei wirkt sich dieser Trend vor allem in vielen ländlichen Regionen negativ aus. Dort ist die Bevölkerungsdichte bereits heute dünn und eine weitere Ausdünnung wird hier weit gravierendere Folgen haben als in urbanen Zentren. Konkrete Zahlen lassen sich auch auf der Website wegweiser-kommune.de der Bertelsmann-Stiftung finden.

2. Wir haben im Rhein-Hunsrück-Kreis die Situation, dass viele Talente bereits in jungen Jahren unseren Fußballkreis und unseren Verband verlassen um Talentförderung bei den großen Vereinen zu erfahren. Wie können wir darauf reagieren?

HPB: Ihr Landesverband hat gesonderte Regelungen für einen sogenannten ,Jugendförderverein‘. Dieser Verein wird gegründet, um ausschließlich mit Jugendmannschaften am Wettspielbetrieb teilzunehmen. In der Regel gründen mehrere Vereine gemeinsam einen Juniorenförderverein. Zielsetzung des Jugendfördervereins ist es, auch in ländlichen Regionen Talente binden zu können und damit Leistungsfußball zu ermöglichen. Überall dort, wo der Leistungsgedanke im Vordergrund steht und einzelne Vereine nicht in der Lage sind, Leistungsfußball zu betreiben, kann die Bildung eines JFVs sinnvoll sein. Vorteil: Der JFV ermöglicht es kleineren Vereinen, Leistungsfußball zu betreiben und in höhere Leistungsklassen (bis zur Junioren-Bundesliga) aufzusteigen. Talentierte Spieler können heimatnah in ihrem sozialen Umfeld konzentriert und damit gehalten werden. Leistungsfußball ist so auch außerhalb großer Vereine möglich. Möglicher Nachteil: Die Gründung und Führung eines eigenständigen Vereins erfordert einen höheren Aufwand und ist nicht mit dem einer Jugendspielgemeinschaft zu vergleichen.

3. Wie sollte man generell beim Aufbau eines Juniorenfördervereins vorgehen? Was muss man unbedingt beachten?

HPB: Im Grundsatz ist der Jugendförderverein ein eigenständiger e.V. wie jeder andere Klub auch und besitzt die gleichen Rechte und Pflichten. Lediglich das Verhältnis zwischen den Stammvereinen und dem Jugendverein kann im Einzelfall durch besondere Bestimmungen geregelt sein.

Wichtig ist es also, ein gutes Team zusammenzustellen, welches die sportlichen und organisatorischen Herausforderungen sehr gut meistern kann.

4. Welche Tipps würden Sie uns geben bei der „Aufstellung“ dieses neuen Vereins? Und welche Herausforderungen gilt es Ihrer Meinung nach, als erstes zu bewältigen?

Wie bereits vorher erwähnt, sehe ich die größte Herausforderung immer darin, ein engagiertes und gut aufgestelltes Team zu finden, die sich proaktiv mit den Zielen des Vereins auseinandersetzen.

5. Der DFB und der Jugendausschuss haben das Thema der Juniorenfördervereine 2005 in Fulda ins Leben gerufen. Was waren die Hintergründe und Zielsetzungen des DFB bei der Gestaltung des Konzeptes der Juniorenfördervereine?

HPB: Hierzu haben wir bereits zwei Infobroschüren herausgebracht, die Sie sowohl als Printversion bei Ihrem Kreisjugendleiter anfordern können als auch über die DFB-Website herunterladen können.

Variationen des Spielbetriebs
Jugendfussball zukunftssicher gestalten

6. Wo kann man sich tiefergehend über das Thema der Juniorenfördervereine informieren und mit wem kann man bereits „geballtes Insiderwissen“ teilen? Gibt es weiterführende Quellen?

Also zum einen dienen die beiden vorher genannten Broschüren als gutes Informationsmedium. Darüber hinaus stehen euch sicher auch viele der Vorsitzenden oder Jugendleiter Rede und Antwort, die bereits Erfahrungen mit der Umsetzung einer JFG oder eines JFV´s haben. Hierzu können Sie sicher auch einmal Fredy Schleich von der JFG Saarlouis kontaktieren alternativ natürlich auch Karl-Heinz Wilhelm oder Heinz-Peter Birkner, die sich bestens in Bayern auskennen.

Herr Becker, wir bedanken und recht herzlich für Ihre Antworten, Ihre Zeit und Ihre Unterstützung,

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